Anstrengend, intensiv oder einfach gefühlsstark

Anstrengend, intensiv oder einfach gefühlsstark

2. November 2018 0 Von Julia

Tja, nun bin ich seit zehn Monaten Mutter. Dass es anstrengend werden würde habe ich mir schon gedacht, aber wir hatten immer das Gefühl, dass es uns mehr anstrengt als andere Eltern. Wir beschrieben unseren Sohn gern als intensiv, laut, anstrengend und als eine Drama Queen. Da wussten wir noch nicht, dass es auch ein anderes Wort für ihn gibt: gefühlsstark. Woher wir das Wort jetzt kennen? Aus dem Buch So viel Freude, so viel Wut von Nora Imlau.

Schon in den ersten Tagen seines Lebens war Paul irgendwie anders. Meine Zimmernachbarin im Krankenhaus legte ihr Baby problemlos in sein Bettchen und es tat was so ein Baby tut, wenn es ein paar Tage alt ist: es guckte. Ich hingegen konnte (und ich gestehe ich es wollte auch nicht) Paul nicht in sein Bettchen legen. Wenn ich auch nur den Ansatz tat ihn von mir zu nehmen, begann er zu schreien.

Zu Hause angekommen hatte sich daran nichts geändert: die ersten drei Wochen schlief er jede Stunde seines Lebens auf mir; tagsüber wie nachts. Mit so einer Kaiserschnittnarbe und überhaupt nach einer Geburt kann das ganz schön anstrengend sein. Wollte ich ihn tagsüber ablegen, schrie er wie am Spieß. Und das war echt laut. Nicht nur so ein bisschen laut, sondern so laut, dass man sein eigenes Wort nicht mehr verstanden hat. Und das ist auch heute noch so.

Hyper-empfindlich und kaum zu beruhigen

Den Schnuller akzeptierte er als Mittel zur Beruhigung erst Wochen nach der Geburt und auch Hunger kündigte sich bei Paul nicht mit einem Glucksen an, sondern durch ohrenbetäubendes Schreien. Wäre dem noch nicht genug (ja, als Neu-Mutter hat mich das total überfordert), war das mit dem Schlafen auch so eine Sache: wie Babys so sind, schlafen sie viel. Aber Paul war auch beim Schlafen sehr empfindlich und ist beim kleinsten Geräusch aufgewacht. Auch das ist zum Teil heute noch so (mit zehn Monaten sind wir weit vom Durchschlafen entfernt).

Auch heute noch schreit er, wenn ich mich mal kurz von ihm wegbewege um auch mal was zu tun, wobei ich ihn nicht gebrauchen kann, zum Beispiel aufs Klo gehen oder mir einen Kaffee machen. Dabei kann er sich – wie auch in vielen anderen Situationen – so derart in Rasche schreien, dass es nicht nur extrem laut, sondern auch extrem schrill ist. Er beginnt dann regelrecht zu kreischen.

Endlich ein Wort, dass Paul beschreibt

Na, erkennst Du Dich irgendwie wieder? Glückwunsch, Du hast vermutlich auch ein „gefühlsstarkes“ Kind. Klingt irgendwie sarkastisch? Hm… Mag sein. Ich habe einen längeren Weg hinter mir, um zu der Erkenntnis zu kommen, dass Paul anders ist, als andere Kinder. Nein, Stop. Er ist nicht anders. Er ist wie er ist. Er ist Paul, unser Sohn. Und das ist gut so.

Ich hatte allerdings das Glück, dass ich bereits sehr früh von Nora Imlaus Buch erfahren habe und mich schon vor den „heftigen Zeiten“ mit dem Thema auseinandersetzen kann. Das hilft mir jetzt und sicher auch später mit Paul uns einen Gefühlen umzugehen.

Eigentlich richtet sich das Buch an Eltern von Kleinkindern, aber who cares! Ich bin mir ziemlich sicher, ganz egal ob sich Pauls Charakter noch ändert oder nicht, dass mir das Buch einiges an schlaflosen Nächten und Quälereien mit mir und unserem Sohn ersparen wird.

Strategien entwickeln

Die wichtigste Erkenntnis, die ich bereits nach wenigen Seiten erlangt habe: Paul ist wie er ist und das ist gut so! Er ist nicht laut, sondern lebensfroh, er ist nicht quengelig, er ist ausdrucksstark. Merkst Du was? Ich versuche – und das ist bisher der beste Tipp, den ich erhalten habe – Pauls vermeintlich negative Eigenschaften mit positiven Worten zu beschreiben. Das ist bei Leibe auf keinen Fall immer leicht. Und ich habe täglich mehrfach Momente, in denen ich ihn als „Drama Queen“ bezeichne, aber hey, ich bin halt auch nur ein Mensch und mein Nervenkostüm ist eben auch nicht immer gleich stark.

Aber zurück zum Buch: ich möchte da gar nicht zu viel verraten, aber ich kann eines vorweg nehmen: die Strategien, die Nora Imlau im Buch gibt, sind goldwert! Du suchst eine Möglichkeit mit Deinem Kind und seinen Gefühlen umzugehen? Nora Imlau gibt Dir viele wertvolle Strategien an die Hand.

Ich bin sehr froh, dass ich dieses Buch bereits jetzt gelesen habe, denn ich kann mich besser auf Paul einstellen und verstehe nun etwas mehr, was in ihm vorgeht.

Von mir gibt es eine ganz klare Kaufempfehlung!

So viel Freude, so viel Wut: Gefühlsstarke Kinder verstehen und begleiten – Mit Einschätzungsbogen*


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