Elterngeld bei Teilzeitarbeit – So habe ich es gemacht

Elterngeld bei Teilzeitarbeit – So habe ich es gemacht

8. Februar 2018 2 Von Julia

Als ob man nicht schon genug mit dem Planen der Elternzeit zu tun hätte, musste ich mir auch noch Gedanken darüber machen, welche Form vom Elterngeld bei Teilzeitarbeit ich wählen möchte. Ich war mir noch nicht sicher, ob und wie viel ich während der Elternzeit arbeiten würde, aber ich begab mich auf die Suche nach den Möglichkeiten und war erst einmal völlig überfordert. Es ist tatsächlich so, dass man im Internet keine genauen Angaben findet, welche Variante die Beste ist. Und auch bei den gängigen Hotlines kommt man einfach nicht durch. Zum Glück fand ich irgendwann die Lösung.

Welche Varianten vom Elterngeld gibt es?

Zuerst musste ich mich mit den zwei Varianten vom Elterngeld auseinander setzen: BasisElterngeld und ElterngeldPlus. Das BasisElterngeld wird 12 Monate lang gezahlt. Beim ElterngeldPlus werden aus jedem Monat BasisElterngeld zwei ElterngeldPlus Monate. D.h. man kann im Prinzip 24 Monate Elterngeld erhalten.

Und hier muss ich auch schon mal gleich etwas einwerfen, was mir vorher niemand gesagt hat: wenn man in den ersten acht (bzw. 12) Wochen nach der Geburt Mutterschaftsgeld bezieht, zählt das wie der Bezug von BasisElterngeld. Im Klartext: Die ersten zwei (bzw. drei) Monate nach der Geburt werden als Elterngeld gezählt, wenn mann Mutterschaftsgeld bekommt. Die Bezugsdauer des Elterngelds verkürzt sich damit um zwei (bzw. drei) Monate. Wer also 12 Monate Elterngeld beantragt, bekommt nur zehn Monate Elterngeld. Das sollte man beachten, wenn man Elternzeit beantragt.

Beispiel: Paul ist Ende Dezember 2017 auf die Welt bekommen. Grob gesagt bekomme ich dann im Januar und Februar Mutterschaftsgeld, ab März für zehn Monate Elterngeld (und nicht für 12 Monate). D.h. ich bekomme bis Ende Dezember des nächsten Jahres Elterngeld.

Berechnung Elterngeld

Bevor man sich darüber Gedanken macht, welche Variante des Elterngeld bei Teilzeitarbeit die Beste ist, muss man erstmal die Höhe des Elterngeldes berechnen.

Grundsätzlich gilt: 

Die Bemessungsgrundlage (BMG) für die Berechnung des Elterngeldes ist das durchschnittliche Nettogehalt der letzten 12 Monate vor der Geburt. ABER: ist man neben der nichtselbstständigen Tätigkeit noch als Freiberufler oder Gewerbetreibender tätig, dann gilt als Bemessungszeitraum das Vorjahr.

Beispiel: Ich bin seit 2007 als Freiberufler tätig und natürlich immer auch festangestellt. In meinem Fall ist der Bemessungszeitraum dann das Jahr 2016. Die BMG aus selbstständiger Tätigkeit ist der Gewinn 2016 aus freiberuflicher Tätigkeit. Und die BMG für die nichtselbstständige Tätigkeit ist – analog zur selbstständigen Tätigkeit – das Jahr 2016.

Paul ist am 29.12.2017 zur Welt gekommen. Hätte ich nur Einkünfte aus nichtselbstständiger Tätigkeit, wäre der Bemessungszeitraum November 2016 bis November 2017. Da ich aber eben auch Einkünfte aus nichtselbstständiger Tätigkeit habe, ist der Bemessungszeitraum für beide Einkunftsarten das Kalenderjahr (also Januar bis Dezember) 2016.

Die exakte Berechnung des Elterngeld bei Teilzeitarbeit (oder auch ohne Nebenbeschäftigung) ist etwas knifflig, deshalb rechne ich das mal mit „Ungefähr-Werten“ vor.

Die BMG für Einkünfte aus nichtselbstständiger ist das durchschnittliche Nettoeinkommen des letzten Kalenderjahres vor der Geburt. In meinem Fall also 2016. Ich sage einfach mal, dass sind 2.200 Euro gewesen. Dazu kommt noch der Gewinn, den ich 2016 aus meiner freiberuflichen Tätigkeit erzielt habe. Sagen wir hier beispielhaft, dass das 10.000 Euro wären. Diese 10.000 Euro werden jetzt durch 12 geteilt und zu den 2.200 Euro dazugezählt. Das sind dann insgesamt 3.033 Euro als BMG für das Elterngeld. Davon 65% 1.971 Euro. Und das ist jetzt über der maximalen Grenze von 1.800 (mehr als 1.800 Euro Elterngeld bekommt man nämlich nicht). Ich würde also, wenn ich mich für das BasisElterngeld entscheiden würde, zehn Monate lang 1.800 Euro bekommen. Sofern ich kein Elterngeld bei Teilzeitarbeit beantragen möchte.

Was wird beim Elterngeld bei Teilzeitarbeit abgezogen?

Nachdem ich man sich ungefähr ausgerechnet hat, wie hoch der grundsätzliche Elterngeldbezug ist, kann man auch schon damit beginnen, zu überlegen, welche Variante des Elterngeld man wählen möchte. Ich habe dazu sehr ausführlich mit einer Mitarbeiterin des Bundesamts für Soziales, Jugend etc. telefoniert. Also genau dem Bundesamt, das für das Elterngeld zuständig ist. Grundsätzlich kann man sagen, dass man immer die Plus-Variante wählen sollte, wenn man Elterngeld bei Teilzeitarbeit beantragen möchte. Denn beim ElterngeldPlus wird weniger vom Hinzuverdienst abgezogen.

Schauen wir uns das mal im Detail an:

Wir haben schon ausgerechnet, dass man in dem Beispiel 1.800 Euro Elterngeld bekommen würde. Das Ganze mal zehn Monate sind insgesamt 18.000 Euro Elterngeld. Gehen wir mal davon aus, dass wir einen Hinzuverdienst von netto 500 Euro haben. Dann sieht die Rechnung bei BasisElterngeld so aus:

3.033 Euro – 500 Euro = 2.533 Euro. Das ist die neue BMG für das Elterngeld. Davon wieder 65% sind 1.646 Euro und das wieder mal zehn Monate sind insgesamt 16.464 Euro Elterngeld bei Teilzeittätigkeit.

Die Berechnung bei ElterngeldPlus sieht etwas anders aus: Hier muss man den sog. Deckelungsbetrag ausrechnen: die Hälfte des Elterngeldes ohne Hinzuverdienst = 1.800 : 2 = 900 Euro. Diese 900 Euro bekommt man jetzt 20 Monate ausbezahlt. Das sind dann 18.000 Euro, also genauso viel Elterngeld, wie BasisElterngeld ohne Hinzuverdienst. Man sieht hier, dass der Verdienst „nicht angerechnet“ wird (also er wird schon angerechnet, wirkt sich aber nicht aus). Allerdings geht das nur bis zu einem bestimmten Betrag des Hinzuverdienstes. Diesen kann man aber nicht genau benennen. Die nette Dame vom Bundesministerium hat mir aber gesagt, dass man in etwa sagen kann, wenn der Hinzuverdienst die Hälfte des vorgeburtlichen Einkommens überschreitet, wirkt er sich auf die Höhe des Elterngeldes bei Teilzeittätigkeit aus.

Was muss ich beim Elterngeld bei Teilzeittätigkeit noch beachten?

Wenn man zu Beginn der Elternzeit noch nicht arbeiten geht und auch noch nicht weiß, ob man arbeiten möchte, ist es sinnvoll, sich für das BasisElterngeld zu entscheiden. Warum? Wenn man sich für das ElterngeldPlus entscheidet und im laufe der Elternzeit ein super Angebot bekommt um mehr als 30 Stunden pro Woche zu arbeiten, hat man keinen Anspruch mehr auf Elterngeld. Das bedeutet, dass man nicht die volle Summe ausgezahlt bekommt.

WICHTIG: man kann zwischen BasisElterngeld und ElterngeldPlus wechseln. Man kann z.B. für den Anfang BasisEltergeld wählen, das ist dann für min. zwei Monate verpflichtend. Wenn man dann arbeiten möchte (weniger als 30 Stunden pro Monat), kann man zum ElterngeldPlus wechseln.

Anders herum ist es auch möglich, nämlich von ElterngeldPlus zum BasisElterngeld zu wechseln. Das ist dann die sog. Rückabwicklung des Elterngeldes. Man kann jeden Monat, der vom ElterngeldPlus noch übrig ist, in einen Monat BasisElterngeld umwandeln. So entgeht man man der Anrechnung des Hinzuverdienstes. Aber das geht nur, wenn man weniger als 30 Stunden pro Woche arbeitet. Beispiel: Man hat sich für das ElterngeldPlus entschieden und hat schon sechs Monate Elterngeld ohne Hinzuverdienst bezogen. Dann kommt ein cooles Jobangebot mit weniger als 30 Stunden pro Woche, aber der Verdienst ist recht hoch. Dann kann man sechs Monate ElterngeldPlus umwandeln und bekommt diese Summe dann auf einmal ausbezahlt. Das kann sich durchaus lohnen, wenn man bspw. schwanger ist und die BMG für das neue Elterngeld erhöhen möchte. Oder einfach, wenn der Hinzuverdienst das Elterngeld bei Teilzeitarbeit extrem kürzen würde.

Wo finde ich Beratung?

Man sieht schon, die Berechnung des Elterngeld bei Teilzeitarbeit kann recht kompliziert werden. Ich wollte mich da Beraten lassen und habe versucht, bei den Außenstellen anzurufen. Das kann man total vergessen! Durch Zufall bin ich auf die Telefonnummer des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gestoßen und siehe da, dort kommt man durch und wird super beraten: 030 201 791 30 – Montag bis Donnerstag von 9.00 bis 18.00 Uhr.